• 14 August 2026 - 6:26 PM

LinkedIn führt Meldefunktion für „AI Slop“ ein – Plattform geht gegen KI-Müll vor


Von Victor Tangermann Veröffentlicht am 2026/07/31 13:22
LinkedIn führt Meldefunktion für „AI Slop“ ein – Plattform geht gegen KI-Müll vor
Juni. 31, 2026
  1. 0
  2. 33

Kaum eine soziale Plattform wird derzeit so stark von minderwertigen KI-generierten Inhalten überschwemmt wie LinkedIn. Das Karrierenetzwerk ist zunehmend zum Sinnbild für oberflächliche Engagement-Köder geworden, die von einer Flut automatisierter Konten verbreitet werden und sich gegenseitig mit inhaltsleeren Kommentaren verstärken.

Erst vergangene Woche nahm Chris Best, CEO von Substack, die Microsoft-Tochter öffentlich ins Visier. Bei der Vorstellung eines neuen KI-Erkennungssystems erklärte er, man wolle verhindern, dass sich Substack zu einem „zweiten LinkedIn“ entwickle – einer Plattform, die zunehmend von KI-generierten Inhalten dominiert werde.

Alarmierende Zahlen

Nach Angaben des KI-Erkennungsunternehmens Pangram weisen rund zwei Drittel der Beiträge, die von Nutzern seiner Browser-Erweiterung analysiert wurden, deutliche Merkmale einer KI-Generierung auf. Bei längeren Beiträgen und Artikeln stuft das Unternehmen sogar mehr als 40 Prozent als vollständig KI-generiert ein.

Neue Meldefunktion gegen Qualitätsverlust

Offenbar hat LinkedIn den zunehmenden Qualitätsverlust auf der eigenen Plattform erkannt. Ohne große Ankündigung führte das Unternehmen eine neue Funktion ein, mit der Nutzer Beiträge melden können, die als minderwertiger KI-generierter Inhalt („AI Slop“) wahrgenommen werden.

Ein Nutzer des Netzwerks Bluesky berichtete überrascht, er habe die Funktion zunächst für einen Scherz gehalten, bis er sie selbst bei mehreren LinkedIn-Beiträgen entdeckte und ausprobierte.

Wie LinkedIn mit den Meldungen umgeht

Obwohl die neue Funktion grundsätzlich positiv aufgenommen wird, bleibt unklar, wie LinkedIn die eingehenden Meldungen verarbeitet. Nach einer Meldung wird der betreffende Beitrag zunächst aus dem Feed des meldenden Nutzers ausgeblendet. Ob darüber hinaus eine inhaltliche Prüfung durch das Unternehmen erfolgt oder weitere Konsequenzen drohen, hat LinkedIn bislang nicht erläutert.

Zwischen KI-Unterstützung und Authentizität

Die Maßnahme wirkt allerdings widersprüchlich. Während LinkedIn gegen minderwertige KI-Inhalte vorgeht, bietet die Plattform ihren Mitgliedern weiterhin einen KI-gestützten Schreibassistenten an.

Nach Angaben des Unternehmens erstellt dieser personalisierte Vorschläge für Profiltexte und andere Inhalte, um die Sichtbarkeit der Nutzer zu erhöhen. Die Empfehlungen basieren auf den Profildaten sowie auf der Analyse von Millionen weiterer LinkedIn-Profile.

Zusätzlich geriet LinkedIn im vergangenen Jahr in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Nutzerdaten ohne ausdrückliche Zustimmung zum Training sogenannter „AI Colleagues“ – KI-gestützter digitaler Assistenten – verwendet wurden. Das Vorhaben wurde nach heftigen Reaktionen wieder eingestellt.

Mehr Gewicht für menschliche Inhalte

Am 20. Mai kündigte LinkedIn an, die Authentizität der Diskussionen auf der Plattform stärker schützen zu wollen. Ziel sei es, zu verhindern, dass menschliche Beiträge von einer wachsenden Flut KI-generierter Inhalte verdrängt werden.

Laura Lorenzetti, leitende Redakteurin bei LinkedIn, erklärte, ein übermäßiger automatisierter Einsatz generativer KI schwäche jene wertvollen Erkenntnisse, die nur durch echte menschliche Erfahrungen und Diskussionen entstehen könnten. KI könne zwar beim Formulieren unterstützen, Beiträge und Kommentare müssten jedoch weiterhin die persönliche Stimme und Sichtweise ihrer Verfasser widerspiegeln. Der eigentliche Mehrwert liege letztlich im Menschen – nicht im Werkzeug.

Nach ihren Angaben entwickelt LinkedIn derzeit Systeme, die typische Merkmale minderwertiger KI-generierter Inhalte automatisch erkennen sollen.

Nutzer sollen Teil der Lösung werden

Mit der neuen Meldefunktion bindet LinkedIn nun auch seine Nutzer aktiv in den Kampf gegen den wachsenden Strom KI-generierter Inhalte ein. Ob dieser Schritt ausreicht, die Qualität der Plattform nachhaltig zu verbessern, bleibt jedoch abzuwarten.

Weitere Maßnahmen

Im Anschluss an die ersten Berichte erläuterte Hari Srinivasan, Vice President of Product bei LinkedIn, weitere Einzelheiten zur neuen Funktion.

Die Meldeoption befindet sich im Drei-Punkte-Menü jedes Beitrags. Gehen zu einem Inhalt mehrere Meldungen ein, erhält dessen Verfasser über das Analytics-Dashboard einen Hinweis, dass der Beitrag von anderen Nutzern als wenig authentisch oder als übermäßig KI-generiert wahrgenommen wird.

Darüber hinaus hat LinkedIn begonnen, einzelne Funktionen zur direkten KI-Generierung von Inhalten schrittweise zurückzufahren. Statt vollständig automatisch erzeugter Beiträge setzt die Plattform künftig stärker auf KI als unterstützendes Schreibwerkzeug. Ziel ist es, die Eigenleistung der Nutzer zu fördern und authentische Inhalte gegenüber automatisch erzeugten Texten wieder stärker in den Vordergrund zu rücken.

Bewerten Sie dieses Thema



Nach oben