• 14 August 2026 - 6:26 PM

Thought Leadership: Ein globaler Bericht voller KI-Halluzinationen


Von Victor Tangermann Veröffentlicht am 2026/08/05 07:59
Thought Leadership: Ein globaler Bericht voller KI-Halluzinationen
August. 05, 2026
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Das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC), eines der weltweit führenden Mitglieder der „Big Four“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, wurde dabei ertappt, Berichte über „Thought Leadership“ im Bereich der künstlichen Intelligenz veröffentlicht zu haben – Berichte, die sich als regelrecht durchsetzt mit digitalen Halluzinationen erwiesen und bei genauer Betrachtung leicht zu entlarven waren.

Vier Berichte, die zwischen 2024 und 2026 veröffentlicht wurden, dienten offenbar vor allem dazu, Beratungsgeschäfte für die Partner des Unternehmens im Nahen Osten anzubahnen. Doch Ermittler des auf die Erkennung KI-generierter Inhalte spezialisierten Unternehmens GPTZero kamen zu einem vernichtenden Urteil: Die Berichte seien eine vollständige Katastrophe – voller „erfundener und frei erfundener Quellenangaben, falscher Behauptungen sowie unlogischer redaktioneller und gestalterischer Entscheidungen“.

Ein Framework, das nie existierte

Die umstrittenen Berichte enthielten „Behauptungen, die entweder keinen Zusammenhang mit den zitierten Quellen hatten oder ihnen sogar ausdrücklich widersprachen“.

Ein Beispiel: Ein im Jahr 2025 veröffentlichter Bericht enthielt einen vollständigen Abschnitt über ein angebliches Modell namens „Citizen Pulse“. Laut PwC sollte dieses Framework bereits von Regierungen weltweit eingesetzt werden. Untersuchungen von GPTZero ergaben jedoch, dass ein solches Konzept in der Realität überhaupt nicht existiert. Es wurde vollständig durch künstliche Intelligenz erfunden – einschließlich der angeblichen Belege und Quellenangaben.

Die Ergebnisse zeigen, wie tief KI-Halluzinationen inzwischen in unterschiedlichste Bereiche vorgedrungen sind: von Anwälten, die von Richtern gerügt werden, weil sie gefälschte juristische Quellen in Gerichtsunterlagen aufgenommen haben, bis hin zu akademischen Fachgebieten, die zunehmend mit fragwürdigen und automatisch erzeugten Forschungsarbeiten konfrontiert sind.

Oberflächliche Inhalte

Selbst renommierte Beratungsgesellschaften liefern ihren Kunden offenbar Inhalte, die oberflächlich und nicht ausreichend überprüft sind. Das wirft unangenehme Fragen über die Qualität professioneller Beratungsleistungen auf.

PwC ist dabei nicht allein. Erst einen Monat zuvor geriet auch ein anderes Mitglied der „Big Four“, KPMG, in die Kritik, nachdem ein Bericht des Unternehmens zahlreiche KI-Halluzinationen enthielt. Der Bericht beschäftigte sich damit, wie KI-Agenten „in Bereichen der Investitionsberatung, des Risikomanagements und der Compliance-Überwachung“ eingesetzt werden könnten.

Der aktuelle Fall wirkt besonders gravierend, weil mehrere der fehlerhaften PwC-Berichte ausdrücklich Themen behandelten, die mit sogenannten „agentischen“ KI-Systemen zusammenhängen – darunter auch ein Leitfaden für Regierungen zur Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen für autonome Fahrzeuge.

Das Ausmaß des professionellen Versagens ist bemerkenswert: Einer der PwC-Berichte verwies in einer Fußnote auf einen Blogbeitrag eines jugendlichen Autors auf der Plattform Medium mit lediglich 280 Followern und nutzte diesen als Referenz für eine Initiative zu KI-Agenten bei der Bank JPMorgan.

Im selben Zusammenhang stellte GPTZero-Forscher Paul Isza fest, dass ein weiterer PwC-Bericht die korrekte Behauptung enthielt, menschliches Versagen sei für 90 Prozent der Verkehrsunfälle verantwortlich. Diese Aussage wurde jedoch innerhalb von nur zwei Seiten dreimal wiederholt – jedes Mal mit drei unterschiedlichen Quellenangaben. Ein solches Vorgehen sei „etwas, das kein Mensch tun würde“, erklärte Isza gegenüber der Financial Times.

Reaktionen und Ausweichmanöver

In ihrer Stellungnahme versuchte PwC, die Ergebnisse herunterzuspielen, anstatt die notwendige Verantwortung zu übernehmen.

Gegenüber der Financial Times erklärte PwC Middle East, das Unternehmen nehme „die Genauigkeit unserer veröffentlichten Forschungsergebnisse sehr ernst“ und aktualisiere „eine begrenzte Anzahl unterstützender Quellenangaben“ in den Berichten.

Weiter hieß es:

„Im Einklang mit unserem Ansatz für verantwortungsvolle künstliche Intelligenz verfügen wir über Qualitätskontrollprozesse für Forschung und die Entwicklung von Inhalten, deren Einhaltung wir von allen unseren Mitarbeitenden erwarten.“

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