Die Revolution des Mittelmaßes: Der erste Sender für 24 Stunden KI-Irrsinn
Von Frank Landymore Veröffentlicht am
2026/08/08 14:02
August. 08, 2026
In einem Schritt, der offenbar die äußersten Grenzen menschlicher Belastbarkeit gegenüber recyceltem Content ausloten soll, hat uns die Streamingplattform Roku mit etwas überrascht, das nun wirklich niemand bestellt hatte: Sie hat begonnen, einen endlosen Strom künstlich erzeugter Belanglosigkeiten auszuspielen – rund um die Uhr, produziert mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz.
Der Sender zeigt 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche KI-generierte Monstrositäten. Das Einzige, was den ununterbrochenen Strom dieses minderwertigen Contents gelegentlich unterbricht, sind Werbespots – die ihrerseits ebenfalls mithilfe von KI erstellt wurden. Das Ganze klingt eher nach der Idee für eine Foltermethode in einem Science-Fiction-Roman als nach einer authentischen Unterhaltungsquelle. Doch leider ist es Realität.
Einige Roku-Nutzer entdeckten den Sender und kommentierten dessen Auftauchen spöttisch in den sozialen Medien: „Die Zukunft der Unterhaltung ist hier.“
Mittelalterdrama mit Mondphysik
Einer der Clips vermittelt einen ziemlich deutlichen Eindruck davon, welches Niveau der Sender seinem Publikum zumuten will. Zu sehen ist ein KI-generierter Film, der offenbar als mittelalterliches Drama gedacht ist. Die völlig erratische Physik der Szenen lässt allerdings den Eindruck entstehen, als spiele sich das Geschehen auf der Mondoberfläche ab.
Falls es überhaupt eine Handlung gibt, ist sie geschickt unter den bizarren visuellen Übergängen zwischen den Szenen verborgen. Hinzu kommen Dialoge, die mit merkwürdigen Rhythmen und peinlich langen Pausen vorgetragen werden – sie erinnern an animierte Computerspielsequenzen aus der Mitte der 2000er-Jahre. Noch verstörender: Niemand blinzelt, während er spricht.
Verkehrte Waffen und absurde Bildfehler
Natürlich dürfen auch die klassischen algorithmischen Bildverzerrungen nicht fehlen. In einer Szene präsentiert ein Soldat, der die Burgmauer bewacht, eine Waffe, die wie eine völlig unverständliche Kreuzung aus Armbrust und Gewehr aussieht. Dann feuert er.
Doch statt der Armbrust bewegt sich beim Schuss der Pfeil rückwärts – direkt in Richtung dieses merkwürdigen Waffenstummels. Vermutlich war diese Vorstellung keine bewusste Hommage an Christopher Nolans missglückten Zeitreise-Film „Tenet“ aus dem Jahr 2020.
Ein Beobachter kommentierte sarkastisch: „Endlich kann KI das kreative Potenzial von Menschen entfesseln, die nicht schreiben können, kein Gefühl für Rhythmus oder Übergänge haben und mit menschlicher Mimik nicht vertraut sind – und so weiter.“
Ein anderer spottete: „Wie schade. Sie haben offenbar vergessen, den Prompt um die Worte ‚mit guter Schauspielkunst‘ zu ergänzen.“
Kosmische Kraken und Flucht in einer dystopischen Welt
Man stelle sich diesen minderwertigen Content als endlose, immer wiederkehrende Schleife vor. Als wir zufällig auf den Sender stießen, sahen wir zunächst einen gigantischen Weltraumkraken, der Raumschiffe ineinander krachen ließ.
Dazwischen waren Szenen zu sehen, in denen ein weiterer riesiger Krake eine von Science-Fiction inspirierte Stadt verwüstete. Währenddessen floh eine futuristische Ninja-Heldin durch eine Menge fremdartig wirkender Menschen und grotesker Außerirdischer.
Verborgene Köpfe und Kooperationen mit unbekannten Kreativen
Der Schöpfer des Senders, Colin Petrie-Norris Fairground, hatte dessen Start bereits in der vergangenen Woche angedeutet. Er bezeichnete das Projekt als den ersten vollständig werbefinanzierten Fernsehsender, der ausschließlich KI-generierten Inhalten gewidmet sei.
Nach Angaben des Magazins Variety stammen die Inhalte von Kreativen, die Petrie-Norris über soziale Medien entdeckt hat. Dazu gehören Kelly Boesch, das Phantom-X-Studio von Kavan the Kid, der Filmemacher Ryan Phillips sowie Wonder Studios und Massive Studios.
Sollte Ihnen keiner dieser Namen etwas sagen, betrachten Sie das ruhig als Glücksfall.
Große Versprechen, bittere Realität
Zum Zeitpunkt des Interviews wollte Petrie-Norris noch nicht verraten, über welche Plattformen sein Sender verbreitet werden soll. Er versprach jedoch eine „massive Reichweite“.
Außerdem versicherte er, die „großartigen Dinge“, die der Sender zeigen werde, hätten dank einer besonderen Aufmerksamkeit für die Details der Geschichten nichts mit dem schrecklichen KI-Müll zu tun, der derzeit in den sozialen Medien kursiert, berichtete Variety.
Die Bilder, die wir mit eigenen Augen gesehen haben, sprechen allerdings eine ziemlich andere Sprache.
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