Gegen Amokläufer mit Pfefferspray-Drohnen
Von Frank Landymore Veröffentlicht am
2026/08/02 07:08
August. 02, 2026
Immer mehr Bildungseinrichtungen in den USA setzen bei der Bekämpfung von Schusswaffenangriffen auf eine futuristisch anmutende Technologie: blitzschnell einsatzbereite Drohnen.
Mehrere Schulen in drei US-Bundesstaaten bereiten sich laut der Washington Post darauf vor, Drohnenschwärme mit Pfefferspray auszurüsten, um bewaffnete Angreifer zu verfolgen. Die Geräte sollen permanent einsatzbereit sein und unmittelbar nach einem Alarm starten.
Der Hersteller Mithril Defense vermarktet das System unter dem Namen Guardian Angel for Schools und hebt dabei insbesondere drei Eigenschaften hervor:
Hohe Geschwindigkeit: Die Drohnen erreichen bis zu 60 Meilen pro Stunde und können sogar Fensterscheiben durchbrechen, um einen Angreifer innerhalb von nur 15 Sekunden zu erreichen.
Neutralisierung des Täters: Sie versprühen gezielt Pfefferspray auf das Ziel.
Ablenkung und Behinderung: Zusätzlich verfügen sie über grelle Lichtsignale und laute Sirenen. Im Notfall können sie den Täter auch mit hoher Geschwindigkeit rammen, um ihn zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.
Bill King, Mitgründer des Unternehmens und ehemaliges Mitglied der US Navy SEALs, erklärte gegenüber der Washington Post, dass ein Angreifer kaum noch entkommen könne, sobald die Drohnen auf ihn angesetzt seien.
Ausweitung der Pilotprojekte
Auch wenn die Technologie noch ungewöhnlich erscheint, wächst das Interesse staatlicher Stellen.
In Florida stellte der Bundesstaat im vergangenen Jahr mehr als 557.000 US-Dollar für ein Pilotprojekt an drei Highschools bereit. Georgia bewilligte kürzlich weitere 500.000 US-Dollar, um das System an fünf öffentlichen Schulen zu testen. In Colorado wiederum hat sich eine öffentliche Schule entschieden, die Betriebskosten der Drohnen aus eigenen Mitteln zu finanzieren.
Die Drohnen fliegen nicht autonom. Sie werden von menschlichen Operatoren aus der Unternehmenszentrale im texanischen Austin ferngesteuert. Je nach Größe der Schule werden zwischen 30 und 90 Drohnen in speziellen Startboxen auf dem Gelände verteilt, damit sie den Einsatzort innerhalb kürzester Zeit erreichen können.
Zweifel an Wirksamkeit und Risiken
Ob das System tatsächlich hält, was es verspricht, bleibt umstritten. Kritiker befürchten zudem, dass der Fokus auf technische Lösungen von den eigentlichen Ursachen der Waffengewalt ablenken könnte – insbesondere von laschen Waffengesetzen und einem unzureichenden Angebot an psychologischer Betreuung.
Zwar verspricht Mithril Defense, dass die Drohnen Polizeikräfte unterstützen, indem sie den Aufenthaltsort eines Täters übermitteln und Live-Bilder liefern. Ein solcher Einsatz setzt jedoch eine außergewöhnlich enge Koordination in einer hochchaotischen Lage voraus.
Darüber hinaus wirft das Konzept weitere Fragen auf: Was geschieht, wenn die Operatoren die falsche Person ins Visier nehmen? Oder wenn sich eine Drohne in unmittelbarer Nähe eines Unbeteiligten befindet und dieser dadurch von der Polizei irrtümlich für den Täter gehalten wird?
Curtis Lavarello, Geschäftsführer des School Safety Advocacy Council, erklärte gegenüber der Washington Post, die Technologie wirke wie eine Mischung aus Videospiel und Schulschutz. Zugleich äußerte er erhebliche Bedenken gegen den Einsatz bewaffnungsähnlicher Drohnen in Bildungseinrichtungen.
Frühere Fehlschläge technischer Lösungen
Die Pfefferspray-Drohnen sind keineswegs der erste Versuch, Schusswaffenangriffe mithilfe moderner Technologie zu verhindern. Mehrere Start-ups bieten inzwischen KI-gestützte Systeme zur automatischen Waffenerkennung an. Deren Zuverlässigkeit wurde jedoch wiederholt infrage gestellt.
So alarmierte ein System des Unternehmens Omnilert die Polizei wegen eines 16-jährigen Jugendlichen, nachdem eine Tüte Pommes frites irrtümlich als Schusswaffe erkannt worden war. Gegen dasselbe Unternehmen läuft außerdem eine Klage eines Überlebenden eines Schulmassakers im Bundesstaat Tennessee. Der Vorwurf: Das System erkannte die bei dem Angriff verwendete Pistole nicht und konnte den Anschlag daher nicht verhindern.
Bewerten Sie dieses Thema