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Nuni – Die ägyptische Prinzessin, die dem Tod ihre Schönheit entgegensetzte


Von Melissa Veröffentlicht am 2026/08/08 07:33
Nuni – Die ägyptische Prinzessin, die dem Tod ihre Schönheit entgegensetzte
August. 08, 2026
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Eine fast 3000 Jahre alte Mumie erzählt von Macht, Wohlstand und dem erstaunlichen Wunsch, selbst im Jenseits jung und lebendig zu erscheinen

Der Tod sollte im alten Ägypten nicht das Ende sein. Er war der Beginn eines neuen Daseins. Und deshalb musste der Körper erhalten bleiben – möglichst vollständig, möglichst würdevoll und, wenn möglich, möglichst lebendig wirkend.

Kaum ein Fund veranschaulicht diese Vorstellung eindrucksvoller als Nuni, eine ägyptische Prinzessin und Priesterin aus der 21. Dynastie. Sie lebte während der Dritten Zwischenzeit, etwa zwischen 1070 und 945 v. Chr. Ihre Mumie und die Beigaben aus ihrem Grab eröffnen einen ungewöhnlich persönlichen Blick auf eine Gesellschaft, in der Religion, Jenseitsglaube und die Sehnsucht nach Schönheit eng miteinander verbunden waren.

Nuni, gelegentlich auch Nany genannt, trug bedeutende Titel. Sie war „Königstochter aus seinem Leib“, „Sängerin des Amun“ und „Herrin des Hauses“. Wahrscheinlich war sie die Tochter des Hohenpriesters Pinudjem I. (Pinedjem I.), der später selbst Pharao wurde.

Dafür sprechen mehrere Indizien: Nuni wurde in unmittelbarer Nähe weiterer Töchter Pinudjems bestattet. Auch ihr Sarg weist auffällige Ähnlichkeiten mit dem ihrer mutmaßlichen Schwester Henuttawy auf.

Über ihre Mutter, Tentnabekhenu, ist dagegen kaum etwas bekannt. Ihr Name ist nur aus dem „Totenbuch“ ihrer Tochter überliefert, das in Nuni's Grab gefunden wurde. Forscher haben vermutet, dass Tentnabekhenu eine Tochter des Hohenpriesters Herihor oder möglicherweise eines Königs von Tanis gewesen sein könnte.

Ein Grab voller Unordnung

Nuni's letzte Ruhestätte war das Grab TT358 in Deir el-Bahari. Ursprünglich war es für Ahmose-Meritamen angelegt worden, eine Königin der frühen 18. Dynastie und Schwester sowie Ehefrau von Amenophis I.

Jahrhunderte später wurde das Grab im 19. Regierungsjahr Pinudjems restauriert. Möglicherweise entschied man sich damals, Nuni dort beizusetzen.

Doch von einer würdevollen letzten Ruhe konnte kaum die Rede sein.

Als das Grab entdeckt wurde, lagen Nuni's Bestattungsreste und ihre Särge in einem chaotischen Zustand im Korridor von TT358. Offenbar war die Bestattung unmittelbar nach der Beisetzung geplündert worden. Wahrscheinlich entfernten Angehörige des Bestattungszuges die wertvollen Goldauflagen von den Särgen und ließen die zerlegten oder verschobenen Sargteile einfach im Gang zurück.

Das hatte eine bizarre Folge: Die zurückgelassenen Särge versperrten schließlich den Zugang zur ursprünglichen Grabstätte der Königin Ahmose-Meritamen.

Doch nicht alles wurde zerstört oder geraubt. Zahlreiche Gegenstände blieben erhalten – und gerade sie machen Nuni's Geschichte so außergewöhnlich.

Särge, die ursprünglich ihrer Mutter gehörten

Besonders aufschlussreich ist die Sargausstattung. Die aus Sykomorenholz gefertigten Särge waren ursprünglich für Nuni's Mutter hergestellt worden.

Später wurden der Name Nuni's und ihre Titel über die ursprünglichen Angaben ihrer Mutter gemalt. Die Umarbeitung war allerdings keineswegs perfekt. Die älteren Inschriften blieben sichtbar – ein seltenes Zeugnis dafür, wie vorhandene Grabbeigaben wiederverwendet wurden.

Sowohl die inneren Särge (30.3.24a,b) als auch die äußeren (30.3.23a,b) weisen deutliche Fehlstellen auf. Vermutlich befanden sich dort ursprünglich vergoldete Elemente.

Auch das Gesicht und die Hände wurden offenbar unmittelbar nach der Bestattung entfernt. Dass solche wertvollen Bestandteile der Särge geraubt wurden, war im alten Ägypten leider keine Seltenheit.

Erhalten blieb eine Mumienmaske (30.3.25), die einst über dem Körper lag. Doch auch ihr vergoldetes Gesicht ist verschwunden.

Das Totenbuch im Inneren eines Osiris

Die eigentliche Überraschung verbarg sich jedoch nicht nur in den Särgen.

Zu Nuni's Grabbeigaben gehörte eine Osiris-Figur mit einem verborgenen Hohlraum. Verschlossen wurde dieser mit einem runden Deckel, der mit Gips befestigt war. In dieser ungewöhnlichen Geheimkammer lag sicher verwahrt Nuni's persönliches Totenbuch.

Der Papyrus (30.3.35), auch als „Buch vom Herausgehen am Tage“ bekannt, enthält die Kapitel 128, 30, 75, 115, 132, 94, 71, 72 und 105.

Einige Passagen sind mit Illustrationen versehen, andere bestehen sogar ausschließlich aus Bildern. Sie zeigen Nuni als junge Frau im Jenseits.

Ein bemerkenswertes Detail: Auf der Außenseite der Papyrusrolle steht der Name ihrer Mutter, während der Name Nuni's im Inneren erscheint.

Der Papyrus war damit nicht lediglich ein religiöser Text. Er war gewissermaßen ein persönlicher Reiseführer für das Leben nach dem Tod.

Zwölf Stunden durch die Nacht

Ein weiterer Text (30.3.32) wurde sorgfältig in acht Falten gelegt und über den Oberschenkeln der Mumie platziert.

Es handelt sich um das Amduat, das „Buch dessen, was sich im Jenseits befindet“. Der Text sollte dem Verstorbenen helfen, die zwölf Stunden der Nacht im Jenseits sicher zu durchqueren.

Die Version aus Nuni's Grab ist stark gekürzt. Dennoch enthält auch sie Darstellungen Nuni's – eine weitere Verbindung zwischen der Verstorbenen und ihrer Reise durch die Unterwelt.

Auf ihrer Brust lag außerdem ein Skarabäusamulett aus Fayence (30.3.34). Der Skarabäus befand sich auf einem halbmondförmigen Fayence-Element.

Auch ein Bestattungskranz (30.3.33a) wurde bei der Mumie entdeckt. Der Kranz war während der Bestattung offenbar in zwei Teile geraten. Ein Teil lag auf der Brust der Mumie, der andere wurde hinter einem der Särge auf dem Boden des Grabes gefunden.

Gefertigt war er aus Blättern des Persea-Baumes und Lotusblüten. Zusammengenäht wurde das Material mit einem Doppelstich über schmalen Streifen aus Palmwedeln.

Leinen, Perücke und 392 Uschebti

Zwischen den zahlreichen Binden der Mumie fand sich außerdem ein Stück Leinen (30.3.36). Es war aus einem Fransenschal herausgeschnitten worden. Eine Inschrift sollte vermutlich Auskunft über den Besitzer oder die Qualität des Stoffes geben. Doch die Tinte hatte sich aufgelöst und war tief in das Gewebe eingedrungen.

Nahe dem Kopf der Mumie lag eine Perücke (30.3.35). Bei ihrer Entdeckung war sie von einer klebrigen Substanz bedeckt. Vermutlich war sie mit Bienenwachs und tierischen Fetten behandelt worden.

Und dann waren da noch sieben Kästen für Uschebti-Figuren.

Die Kästen selbst wirken unspektakulär: weiß gestrichen, schlicht und ohne Inschriften. Fünf befinden sich heute im Metropolitan Museum of Art, zwei weitere in Kairo.

Ihr Inhalt ist dagegen bemerkenswert. Insgesamt wurden 392 Uschebti geborgen.

Diese kleinen Figuren sollten dem Verstorbenen im Jenseits als Diener zur Verfügung stehen und an seiner Stelle Arbeiten verrichten. Deshalb gab es neben den eigentlichen „Arbeitern“ auch sogenannte Aufseher, die die übrigen Figuren kontrollieren sollten.

Das Metropolitan Museum bewahrt zahlreiche dieser Figuren auf und stellt in seiner Datenbank Abbildungen der Uschebti aus Nuni's Bestand zur Verfügung.

Was geschah mit Nuni's Mumie?

Eine der größten Fragen bleibt ausgerechnet die nach Nuni's eigenem Körper.

Ein Foto oder eine eindeutige Inventarnummer der Mumie ließ sich nicht finden. Fest steht jedoch, dass die Mumienbinden entfernt wurden. Nach bisherigen Erkenntnissen befindet sich Nuni's Schädel heute im Peabody Museum der Harvard University.

Was mit den übrigen Teilen der Mumie geschah, ist dagegen unklar. Wahrscheinlich sind sie verloren gegangen.

Die Entnahme der Binden erfolgte durch den amerikanischen Ägyptologen Herbert Winlock am Metropolitan Museum, vermutlich 1929 oder 1930.

Was dabei zum Vorschein kam, war das Bild einer Frau, die offenbar ein wohlhabendes Leben geführt hatte.

Nuni war nur etwa 1,47 Meter groß, zugleich aber von kräftiger Statur. Sie wurde vermutlich ungefähr 70 Jahre alt – ein außergewöhnliches Alter für ihre Zeit und möglicherweise sogar höher als das ihres Vaters.

Schönheit gegen den Tod

Am faszinierendsten ist jedoch nicht ihre Größe, ihr Alter oder ihr gesellschaftlicher Rang. Es ist die Art und Weise, wie ihr Körper für die Ewigkeit vorbereitet wurde.

Die Einbalsamierer behandelten Nuni's Mumie mit großer Sorgfalt. Ihr Haar wurde eingefärbt. Unter die Haut wurde Füllmaterial eingebracht, um dem Körper ein möglichst natürliches, lebendiges Erscheinungsbild zu geben.

Auch ihr Gesicht wurde bemalt.

Es ging dabei offenbar nicht allein darum, den Verfall aufzuhalten. Die Verstorbene sollte weiterhin als Nuni erkennbar sein – jung, vital und würdevoll.

Fast 3000 Jahre später ist genau diese Vorstellung noch immer greifbar.

Nuni erzählt von einer Kultur, die den Tod nicht einfach als Auslöschung verstand. Der Körper sollte den Übergang ins Jenseits überstehen, die Identität sollte bewahrt werden – und selbst die Schönheit durfte dem Tod nicht vollständig zum Opfer fallen.

Vielleicht liegt gerade darin das Vermächtnis Nuni's: Nicht der Tod sollte das letzte Bild von ihr bestimmen, sondern die Erinnerung an ein lebendiges Gesicht.

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